Schülerin der Waldorfschule Lübeck im Interview: »Ich könnte jetzt gar keine Bombe bauen!«

Freie Waldorfschule Lübeck: Keine Anleitung zum Bombenbau

Lotta (Name von Waldorfbazar geändert) ist 13 Jahre alt und besucht derzeit die siebte Klasse der Freien Waldorfschule Lübeck. Als Fünftklässlerin war sie beim Knallkörper-Experiment dabei, das in den Medien vielfach als Lehrstunde zum Bombenbau berichtet wurde. Lotta war es ein Anliegen, uns ihre Sichtweise der Dinge zu erzählen.

Wie war es, als euer Lehrer diesen »Rohrbomben«-Versuch gemacht hat?
Dieser Versuch wurde bei mir im Unterricht durchgeführt, um uns zu demonstrieren, wie gefährlich ein Sprengsatz sein kann. Dieser war übrigens gerade mal so groß wie ein China-Böller. Wir haben auch keine Druckwelle gespürt, wie es die »taz«. scheibt. Es ging nie darum, uns den Bombenbau an sich beizubringen. Wir Schüler haben unserem Lehrer beim Bau nur zugesehen und nicht selbst mitgebaut.

Was sagt denn der Lehrer zu der ganzen Sache?
Ich kenne diesen Lehrer sehr gut, da er auch mein Klassenlehrer ist. Am ersten Tag hat er das alles mit Humor genommen und darüber gelacht. Aber langsam merkt man, dass es ihn schon sehr mitnimmt. Er ist immer für uns da und ein wirklich toller Lehrer, zu dem wir ein sehr gutes Verhältnis haben. Deshalb tut er uns allen sehr leid. Er wollte einfach ein besonders guter Lehrer sein. Die Presse rückt ihn in ein falsches Licht, das ärgert uns alle!

Bereut er, dass er den Versuch mit euch gemacht hat?
Ich denke schon. Nicht, weil der Versuch falsch war, sondern weil es dann so weite Kreise gezogen hat. Das hätte er sich und uns sicher ersparen wollen.

Redet ihr in der Schule darüber?
Innerhalb der Klasse reden wir schon darüber. Aber viele Lehrer haben mittlerweile ein echtes Problem mit der vielen Berichterstattung und wollen nicht mehr über das Thema sprechen.

Hat die Schule euch offiziell angewiesen, wie ihr mit der Presse umgehen sollt?
Nein, eine Anweisung oder gar ein Verbot darüber zu sprechen gab es nie. In der Klasse haben wir das schon diskutiert und unsere Klassengemeinschaft hat sich dadurch sehr verfestigt.

Das Ganze wurde ja durch die Beschwerde einer Mutter angestoßen, deren Sohn in deiner Klasse war. Wie hast du das erlebt?
Ihr Sohn hatte es schon länger nicht einfach in unserer Klasse. Er hat den Unterricht aufgehalten, oft seine Hausaufgaben nicht gemacht und sich schlecht benommen. Bei dem Versuch war er jedoch ganz vorne dabei, fand das toll und wollte es direkt wieder tun. Ich persönlich glaube, dass die Mutter die Situation einfach für sich genutzt hat, weil sie mit unserem Lehrer nicht klar kam. Ihr Sohn fand ihre Aktion selbst nicht toll und schon gar nicht, dass er dann von ihr von der Schule genommen wurde und sie die ganze Sache an die Öffentlichkeit gegeben hat.

Könntest Du denn überhaupt jetzt eine Bombe bauen?
Nein, ich wüsste nicht wie ich das machen sollte. Ich hab ja nur einmal zugesehen und da weiß ich das natürlich nicht. Aber trotzdem müssen wir uns Sprüche anhören wie: »Nicht, dass ihr Amokläufer werdet«. oder »na, ihr Bombenbauer«.

Waldorfbazar dankt herzlich für das Gespräch!

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